Step 01 - Ausbau des Motors
 
Eine erste Bestandsaufnahme im Motorraum beweist die Vermutung, dass hier gemurkst wurde: Der Motor verfügt über einen 28er Weber Vergaser sowie über den Ölschleuderfilter, beide Merkmale kennzeichnen dieses Aggregat als typische 767 ccm Maschine, die in einem 1957er 600er absolut nichts verloren hat. Die etwas merkwürdige Art der Anlenkung des Gaszuges sowie der Luftfilter verweisen auf ein SEAT Aggregat. Auch das Lüfterrad aus Plastik passt so gar nicht zu einem 1957er Modell.Also: Raus damit! Zum Glück konnte aber am Dachboden eines Oldtimerfreundes ein passender, kompletter, 633 ccm Motor ausfindig gemacht werden.

Als erste Aktion werden alle Nebenaggregate der Maschine wie Luftfilter, Vergaser, Auspuff, Lichtmaschine, Wasserpumpe, Zündspule, Verteiler, usw. demontiert, damit wird eine bessere Zugänglichkeit zur eigentlichen Motordemontage gewährleistet. Bei der Demontage der Kühlerschläuche stellt sich heraus, dass der Motor noch mit Kühlflüssigkeit gefüllt war - na ja - Kleinigkeiten eben, vor allem wenn man bei dieser Arbeit unter dem Motor liegt ... Motto: Es geht halt nichts über eine Gratiswäsche ...

Dem einsam in seinem Blechgehäuse hängenden Motor geht es nun ernsthaft an den Kragen: Mittels Augenschrauben und einer stabilen Kette am Ausleger des Rüsselkranes fixiert, harrt das Aggregat auf seinen Ausbau. Nach der Demontage der hinteren Blende des Motorraums, die ja auch gleichzeitig als Motorlager dient, und dem Lösen der 4 Schrauben, die das Getriebe mit dem Motor verbinden, sollte dem Vergnügen nichts mehr im Wege stehen. Und tatsächlich: Nach ein paar zarten Schlägen mit dem Kunstoffhammer lässt sich der Motor problemlos vom Getriebe abziehen und in eine Ecke rollen: "ADIOS SEAT, MI AMIGO ESPANOL - TE NO NECESITAMOS!"

Nun wird auch gleich noch der Starter ausgebaut, und auf seine Funktionalität hin überprüft: Na ja, funktionieren tut er, aber etwas laut ist er - eine Generalüberholung wird wohl nicht ausbleiben. Nachdem der Motor jetzt aus der Karosserie raus ist, kann man auch den Kühler wunderbar ausbauen - also: weg damit. Und weil es so schön ist, wollte ich auch gleich noch das Kupplungsgehäuse demontieren. Eine Kleinigkeit habe ich dabei leider übersehen: Dieses Gehäuse dient gleichzeitig auch als Getriebedeckel. Fazit: Gratisimprägnierung des Werkstattbodens mit Öl ... wie bereits einmal erwähnt: Kleinigkeiten ....

Step 02 - Ausbau des Getriebes
 
Nun kommt das noch im Wagen verbliebene Getriebe dran. Um eine leichtere Zugänglichkeit zu gewährleisten, wird der 600er hinten aufgehoben und auf stabile Unterstellböcke gesetzt. Die beiden Antriebswellen vom Getriebe zu den Hinterrädern lassen sich relativ leicht ausbauen und werden zwecks späterer Generalsanierung im Regal deponiert. Unter gewaltigen Schichten alten Drecks finden sich letzendlich auch der Tachoantrieb und die Verbindung des Handbremsseiles zur Feststellbremse am Getriebe. Diese müssen ebenso wie das elastische Verbindungsstück zur Schaltstange zuerst gelöst und demontiert werden. Dann wird das Getriebe mittels des hydraulischen Wagenhebers fixiert, die beiden Befestigungsschrauben des Haltebügels auf der Karosserie werden entfernt, und schon kann man den ganzen Getriebeblock absenken und beiseite legen. Böse Überraschung: Das elastische Verbindungsstück zur Schaltstange ist leider so stark beschädigt, dass es erneuert werden muss, aber dieses Teil sollte eigentlich kein Problem darstellen.

Bei der Gelegenheit kommt auch gleich noch der Heizluftverteiler an die Reihe. Ein paar teilweise reichlich unter Dreck und in den unzugänglichsten Winkeln verborgene Schrauben gelöst. die Verbindung der Heizklappen zum Reglergestänge entfernt (Achtung: Feinmechanikerhände notwendig !!!), und schon wandern auch diese Teile ins Depot, um auf ihre Restaurierung zu warten!

Step 03 - Demontage Vorderfront und Kofferraum
 
Da der Ausbau des Getriebes und der Heizklappen rascher als geplant verlaufen ist, wird auch gleich die Vorderfront und der Kofferraum in Angriff genommen. Als erstes werden alle Zier- und Anbauteile der Vorderfront abgebaut. Dabei die nächste unliebsame Überraschung: Bei einigen der Zierleisten sind offenbar die speziellen Halteklammern, die die Leisten in der Karosserie fixieren, irgenwann einmal verloren gegangen. Ein (so scheinbar seiner Meinung nach) ganz cleverer Zeitgenosse, hat dann (wohl um die paar Cent für neue Klammern zu sparen) eine grandiose Idee gehabt: Auf die Befestigungszapfen der Zierleisten wurde ein Gewinde geschnitten, und die Leisten dann mit Muttern fixiert. Na ja, was sich mit diesen dünnen (4mm !) Zäpfchen abspielt, wenn man versucht, die kräftig oxidierten Schraubverbindungen zu lösen, kann man ganz einfach zusammenfassen: Oxidierte Schraubverbindung ist stärker als Festigkeit des Zierleistenmaterials. Fazit: Neue Zierleisten braucht das Land ....

Zumindest macht dann die Demontage der Beleuchtung, der Blinker und des in den Kofferraum eingebauten Tanks keine weiteren (grösseren) Probleme, lediglich die Hupe erweist sich beim Ausbau als reichlich desolat, aber die gibt es ja um wenige Euro neu zu kaufen. Solange sich keine selteneren Teile als nicht mehr verwendbar herausstellen, soll es mir recht sein, man kann schliesslich von einem über 50 Jahre alten Auto nicht wirklich erwarten, dass alle daran und darin befindlichen Teile noch zu 100% gut sind ....

Step 04 - Der Innenraum
 
Da der Innenraum des 600er eher einer Müllhalde als einer Autokarosse gleicht, wird hier einmal kräftig ausgemistet: Neben brauchbaren, zum Teil aus diesem Wagen ausgebauten Teilen finden sich auch massenweise Teile und Komponenten die mit Sicherheit nicht zu einem Fiat 600 gehören, bzw. schon 600er Teile sind, aber von Fahrzeugen mit wesentlich jüngerem Baujahr: Eine erkleckliche Anzahl an Fragmenten diverser zerlegter Wasserpumpen in erschreckendem Zustand, die aufgrund ihres Aufbaues dem Fiat 850 zugeordnet werden, fliegen ebenso sofort in den Scrottcontainer, wie einige undefinierbare Zündspulen in katastrophaler Kondition. Einige ebenfalls zerlegte 600er Wasserpumpen wandern als mögliche Ersatzteilspender ins Regal, ein paar Sätze grosse Rücklichter (erst ab dem Fiat 600 D im Einsatz) werden als mögliche Verkaufs- oder Tauschobjekte ebenso archiviert, wie ein Satz Radkappen von einem 600er der letzten Serie. Ein grosser Sack für Restmüll füllt sich mit allem Möglichen und Unmöglichen: Mörtelkellen, eine Kohlenschaufel, alte Handtücher, etc. etc. Die ebenfalls im Wageninneren deponierten alten Gummimatten, Teppiche, Dichtungen und Dämmatten wandern in einen grossen Karton, als eventuell benötigtes Muster für eine Neubestellung.

Nach einer guten halben Stunde ist der Innenraum ausgeräumt, und bietet gleich einen viel freundlicheren Eindruck. Das freigeräumte Innere des 600er macht nun auch Lust auf mehr: Die Hebel für den Choke- und Starterseilzug werden ebenso ausgebaut wie die Handbremse samt altem Seil und der Schalthebel mit Gestänge.

Jetzt kommt das Armaturenbrett dran: Alle Schalter und Kontrollampen werden demontiert, die Kabel beschriftet und abgezogen. Dann das Kombiinstrument: Wider Erwarten ist dieses nicht kompliziert verscharaubt, sondern mit ein paar Federklammern fixiert, lässt sich also relativ einfach ausbauen. Nach dem Lösen der Tachowelle von Tachometer kann diese auch komplett von der Karosserie entfernt werden. Nun noch die Kabelverbindungen zum Kombiinstrument: Bei näherer Betrachtung stellen sich erste Zweifel an der Seriösität dieser Verkabelung ein: Wirre Kabelknäuel treten ebenso zutage wie Kabelbinder aus Plastik und neumoderne Quetschverbindungen - sieht nicht wirklich nach Elektrotechnik aus 1957 aus. Unter der Lenksäule findet sich ein antiquierter dubioser Schalter, Verwendungszweck unbekannt. Also wurde hier nicht nur vom Letztbesitzer gemurkst, scheinbar wurde hier ständig versucht, die elektrische Anlage persönlichen Bedürfnissen anzupassen. Krönung des Ganzen: Die Kabel zur Scheibenwischeranlage sind an den dafür vorgesehenen Steckkontakten am Motor nicht mit passenden Kabelschuhen fixiert, sondern einfach lose rundumgewickelt und mit einer undefinierbaren Masse (Heissleim ???) fixiert. Fazit: Raus mit dem ganzen Kabelbaum und ins Depot damit!

Um die Pedale für die Fussbremse und die Kupplung abmontieren zu können, muss man an das etwas verzwickte Lagerungssystem der Pedalerie ran, welches sich am Unterboden des Fahrzeuges, in einem eng bemessenen Plätzchen zwischen Karosserie, Blattfeder der Vorderachse und Haupbremszylinder befindet. Also: Hoch mit der Voderfront des 600er und auf stabile Unterstellböcke gestellt. Zum Entfernen der Klemmschrauben der beiden Fusshebel sind wiederum Feinmechanikerfinger gefragt. Immerhin: Nach dem Entfernen dieser Schrauben und nach ein paar kräftigen Schlägen mit Hammer und Durchschlag auf die Unterseite der Hebel hört man es im Wageninneren schon rumpeln: Die Hebel sind raus! Nun noch rasch ein paar Schrauben und Muttern gelöst, und nach Freimachen des Kupplungszuges vom Gelenkhebel kann die ganze Pedalerie abgenommen werden. Ab ins Regal mit den ganzen Teilen um sie bei passender Gelegenheit wieder aufzuarbeiten.

Die letzten Demontagearbeiten im Innenraum stehen an: Als erstes wird die Abdeckung des Heizluftkanals im hinteren Bereich samt der Regelstange für die Warmluftregelung ausgebaut. Ein Blick auf die Innenseite dieses Teiles offenbart starken Flugrost, die Aussenseite ist mit einer dicken Schicht weissen Lackes zugekleistert, Bläschen in dieser Schicht lassen auch hier Korrosion am Blech vermuten. Na ja, mal sehen. Dann sind die Heizluftdüsen im vorderen Innenraumbereich dran. 4 Blechschrauben ausgeschraubt und schon sind sie demontiert. Dann kommt noch die Pralleiste des Armaturenbrettes an die Reihe.

Als letztes Teil wird nun noch die komplette Mechanik des Scheibenwischeranlage demontiert. Hier offenbart sich haltloser Pfusch: Die Baugruppe ist äusserst fragwürdig an der Karosserie befestigt, eine Schraube fehlt, beim zweiten sind 5 (!) grosse Muttern als Distanzhalter untergelegt. Nicht ärgern - nur wundern. Als alles dann aus dem Auto draussen ist, wird auch der bereits früher festgestellte Murks an den Elektriksanschlüssen gut sichtbar: Heisskeim oder Silikon anstatt Steckverbindungen - na ja, kein weiterer Kommentar! Auf alle Fälle ist der Wagen nun soweit als im ersten Schritt nötig demontiert, denn das Fahrwerk bleibt zum leichteren Manövrieren momentan noch dran.
Also: Die Arbeit an der Karosserie kann beginnen!

Step 05 - Fahrwerk
 
Um beim Spenglern und Lackieren eine bessere Beweglichkeit der Karosserie zu gewährleisten, ist das Fahrwerk bis zur Beendigung dieser Arbeiten noch an der Karosserie drangeblieben. Da nun die fertig lackierte Karosserie in der Garage steht, ist es an der Zeit, auch das Fahrwerk zu demontieren. Also, rauf mit dem guten Stück auf stabile Unterstellböcke und runter mit den Rädern. Danach werden zuerst die beiden Hinterachsschwingen demontiert, was rasch und ohne Probleme vonstatten geht. Der nächste Schritt wäre dann die Demontage der vorderen Radaufhängung. Auf der rechten seite geht dies auch problemlos, nur die linke Radaufhängung lässt sich nicht von der Karosserie lösen.

Da absolut nichts mehr geht, hilft nur noch eines: Her mit der Flex, und die Radaufhängung in kleine, handliche Teile filetieren. Das gleiche Problem auch bei der Lenksäule: Auch hier gehr ohne Flex nichts mehr. Ironie des Schicksals: Sobald die widerspenstigen Komponenten zerstückelt sind, lassen sie sich ohn die geringste Kraftaufwendung demontieren - na ja - weiter kein Kommentar! Zumindest zeigen sich dann die Blattfeder der Vorderachse und das Lenkgetriebe kooperativ, und lassen sich ohne Probleme demontieren. Nun ist der 600er in wirklich alle Komponenten restlos zerlegt. Durch diese letzte Demontagen sind auch noch ein paar bisher "versteckte" Flächen am Unterboden zutage getreten, die nun noch gesäubert, entrostet und grundiert werden müssen. Danach kann die Lackierung des Unterbodens erfolgen!

 
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