Step 01 - Demontage des Getriebes
 
Das ausgebaute Getriebe ist rundherum mit einer stabilen schwarzen Masse überzogen. Eine erste "Analyse" dieser Schicht zeigt auf, das es sich um ein kompaktes Gemisch aus Strassendreck und altem Öl handelt. Obwohl diese Schicht teilweise relativ hart und auch an gewissen Stellen bis zu 2 Zentimeter dick ist, ist ein Einsatz von rotierenden Bürsten zum Säubern des Getriebegehäuses im ersten Schritt nicht wirklich ratsam - Diese Methode würde bloss den Dreck in der ganzen Werkstätte verteilen!

Also: Her mit der Waschwanne - mit Pinsel, Spachtel und Waschbenzin wird dieser Dreckschicht aus mehreren Jahrzehnten zu Leibe gerückt. Das anschliessende Ergebnis ist zufriedenstellend: Das Getriebegehäuse ist vom meisten Schmutz befreit, nun können die ersten Anbauteile demontiert werden, und auch der Feinreinigung mit den rotierenden Bürsten steht nun nichts mehr im Wege!

Nun kommt das Kupplungsgehäuse dran - Auch hier das gleiche Prozedere: Rein in die Waschwanne - und mit Pinsel, Spachtel und Waschbenzin zunächst den groben Dreck entfernen. Anschliessend werden alle Anbauteile demontiert. Nun kommen Bohrmaschine und rotierende Bürsten zum Einsatz, anschliessend ein nochmaliges Waschen mit Benzin. Das anschliessende Ergebnis kann sich sehenlassen: Das Kupplungsgehäse sieht nun wieder aus wie neu!

Anschliessend werden die letzten Anbauteile des Getriebegehäuses demontiert, und das Gehäuse selbst mit den rotierenden Drahtbürsten gereinigt. Dann erfolgt der Ausbau der Differentialeinheit und des Getriebedeckels, danach Feinreinigen aussen mit Waschbenzin und sauberes Auswaschen des Getriebes selbst. Nunmehr können auch die inneren Teile des Getriebes auf Abnutzung kontrolliert werden, das Ergebnis dieser Überprüfung zeigt, dass das Innenleben des Getriebes noch tadellos ist. Also noch kurz ein Auswaschen mit Spezialkonserviermedium und gut mit Schutzfolie einwickeln. Nun müssen nur noch neue Dichtungen besorgt werden und ein paar Anbauteile aufgearbeitet werden, dann kann die Wiedermontage beginnen!

Step 02 - Demontage des Motors
 
Nun kommt der Ersatzmotor dran: Eine erste oberflächliche Überprüfung zeigt ein relativ komplettes Aggregat, Vergaser, Luft- und Ölfilter sind ebenso dran, wie auch die Benzinpumpe, der Verteiler und die Schwungscheibe. Lediglich Kupplung, Lichtmaschine und Wasserpumpe fehlen, aber diese Teile stehen in dem vom 600er ausgebauten Fundus zur Verfügung! Der Motor selbst lässt sich per Hand durchdrehen, es steht also eine relativ gute Basis zur Verfügung!

Zunächst werden der Luftfilter, der Vergaser, der Ölfilter und der Verteiler abgebaut, und wandern zwecks späterer Aufbereitung ins Depot. Dann kommen der Ventildeckel, die Benzinpumpe, die Riemenscheibe und die Schwungscheibe dran. Nun kommt der Auspuffkrümmer weg, die Kipphebelwelle wird abmontiert, und nach Lösen der Zylinderkopfschrauben kann letztendlich auch der Zylinderkopf abgehoben werden! Der ganze Motorblock wird nun "auf den Kopf" gestellt, jetzt kann auch die Ölwanne demontiert werden, und danach geht es ans Eingemachte: Demontage von Pleuelstangen, Kolben und Kurbelwelle, inklusive aller Lagerschalen, zwecks Inspektion der Abnutzung!

Nachdem nun alle Teile des zerlegten Motors auf der Werkbank liegen, kann mit einer ersten Grobreinigung beziehungsweise mit der Inspektion der Bauteile begonnen werden. Zunächst wird der Motorblock mit Kaltreinger und Waschbenzin grob gesäubert, danach können die Bohrungen inspiziert werden. Die Laufbahnen sind prinzipiell riefenfrei, allerdings zeigen sich an den oberen Totpunkten leichte Abstufungen. Ein Nacharbeiten der Bohrungen ist also auf jeden Fall angesagt, es ist allerdings zu prüfen, ob ein Aufbohren auf das erste Übermass erforderlich ist, oder ob ein Egalisieren der Stufen mit Nachhonen der gesamten Bohrung ausreicht. Dazu müssen aber zunächst die Bohrungen genau vermessen werden!

Die Lagerschalen zeigen generell Abnutzungserscheinungen, das heisst, diese sind auf jeden Fall auszutauschen. Nachzuprüfen sind jetzt noch der Zustand der Kurbelwelle beziehungsweise der Nockenwelle, damit auch hier entschieden werden kann, ob neue Lagerschalen genügen, oder ob an den Wellen nachgeschliffen werden muss und Übermasslagerschalen benötigt werden. Gleiches gilt für die Kolben, die einen noch recht guten Eindruck machen: Neue Kolbenringe oder ein kompletter neuer Kolbensatz? Wenn ja: Standard oder Übermass? Das heisst, ein Besuch in der Motorenfachwerkstätte ist jetzt angesagt!

Step 03 - Demontage des Zylinderkopfes
 
Zunächst wird der Zylinderkopf mit Kaltreinger und Waschbenzin grob gesäubert, danach können die Ventile ausgebaut werden. Unter Verwendung einer Spezialvorrichtung zum Ventilausbau, die es um wenige Euros im Fachhandel zu kaufen gibt, geht diese Demontage leicht von der Hand. Die ausgebauten Ventile werden zunächst mit der rotierenden Drahtbürste von den millimeterdicken Ablagerungen befreit, danach erfolgt eine Feinreinigung mit Waschbenzin.

Ebenso werden die Ventilfedern und alle zu dieser Baugruppe gehörenden Kleinteile sauber mit Waschbenzin von den Jahrzehnte alten Ablagerungen befreit. Den Brennkammern und den Auslasskanälen geht es mit einer kleinen rotierenden Drahtbürste zu Leibe, mit der relativ rasch Russ und Ablagerungen entfernt werden können. Nunmehr ist noch der gesamte Zylinderkopf gründlich mit Hilfe von Drahtbürsten und Waschbenzin fein zu reinigen, bevor er zur Inspektion (Planebenheit, Ventilsitze) in die Motorenfachwerkstätte kommt!

Step 04 - Montage des Getriebes
 
Nachdem der Besuch in der Motorenfachwerkstätte ergeben hat, dass es durchaus Sinn macht, die Bohrungen bzw. die Kurbelwelle nachzuschleifen, und diese Teile nunmehr auf ihre Bearbeitung warten, bzw. da alle Teile des Getriebes aufbereitet sind, kann mit der Wiedermontage dieser Baugruppe begonnen werden. Das eigentliche Wechselgetriebe samt den zugehörigen Lagern hat bei eingehender Überprüfung einen sehr guten Zustand gezeigt, sodass diese Baugruppe nicht zerlegt wurde, sondern nur ordentlich gereinigt und konserviert. Der Getriebedeckel, die Teile der Differentiallagergehäuse und die Feststellbremse wurden zwischenzeitlich aufbereitet, für die Feststellbremse konnte auch noch eine Garnitur neuer Bremsbacken beschafft werden.

Zunächst wird nun das Differentialgetriebe wieder in das Getriebegehäuse eingebaut, natürlich unter Verwendung neuer Dichtungen, O-Ringe und Wellendichtringe. Ein passender Dichtungssatz für das Getriebe ist ja gottseidank noch lieferbar, und hat bei dieser Arbeit wertvolle Dienste geleistet. In das Kupplungsgehäuse wird die frisch gelagerte und abgedichtete Hohlwelle für die Hauptwelle montiert, ebenso die aufbereitete Welle für das Kupplungsdrucklager. Anschliessend erfolgt die Montage des Kupplungsgehäuses, des Getriebedeckels sowie neuer Wellendichtringe bei der Schaltstange und bei der Vorgelegewelle, wo später die Feststellbremse montiert wird. Nunmehr ist das Getriebe soweit wieder einsatzfähig montiert, es müssen lediglich noch die Anbauteile wie Feststellbremse, Tachoantrieb und Aufhängung montiert werden.

Nunmehr erfolgt noch die Komplettierung des Getriebes: Die überholten Teile der Feststellbremse werden in Kombination mit den neuen Bremsbacken montiert, ebenso sämtliche Hebel zur Betätigung der Feststellbremse. Der Tachoantrieb kommt nach einer gründlichen Reinigung ebenfalls wieder an seinen angestammten Platz.

Die Getriebeaufhängung wird mit neuen Gummilagern versehen und anschliessend an das Getriebegehäuse montiert. Nun ist das Getriebe bereit für den Anbau an den Motor.

Step 05 - Montage des Zylinderkopfes
 
Nach der mechanischen Bearbeitung (Planschleifen und Nacharbeit der Ventilsitze) wird der Zylinderkopf nochmals gründlich gereinigt, fein gebürstet, und mit einer Schicht Klarlack versehen. Der Einbau der penibel gesäuberten Ventile und die Montage der Ventilfedern geht mit Hilfe eines Spezialwerkzeuges zum Spannen der Ventilfedern rasch und problemlos von der Hand.

Anschliessend werden noch die sauber gereinigten Komponenten der Kipphebelwelle zusammengebaut, und die ganze Einheit auf den Zylinderkopf montiert, der nun fertig zum Anbau auf den Motor ist!

Step 06 - Montage des Motorblocks
 
Nach der mechanischen Bearbeitung (Nachschleifen der Kurbelwelle und Bohren und Hohnen des Zylinderblocks) werden diese Bauteile zunächst einmal gründlichst gereinigt um eventuell noch vorhandenen Bearbeitungsabrieb zu entfernen. Der Motorblock wird ausserdem noch gründlich mit den rotierenden Drahtbürsten bearbeitet, um die noch vorhandenen Spuren von Flugrost auf der Aussenseite zu entfernen. Anschliessend erhält der Block eine saubere Grundierung und eine schwarze Decklackierung.

Als erste Montagetätigkeit wird die Kurbelwelle unter Verwendung neuer Lagerschalen in den Block montiert. Auch wenn jetzt erst der Anfang gemacht ist, ein schönes Gefühl ist es allemal, wenn sich der erste Teil im frisch überholten Motor dreht!

Nun ist es an der Zeit, die neuen Kolben zunächst einmal gründlich von den Spuren der langen Lagerung zu säubern. Dazu werden die auch die Kolbenringe abgenommen. Ein heisser Tip: Am besten geht das immer noch mit einer speziellen Kolbenringzange, die um wenig Geld im Werkzeugfachhandel zu haben ist. Anschliessend werden die Kolben auf die Pleuel montiert, die Kolbenringe wieder eingesetzt, und alle Teile unter Verwendung neuer Lagerschalen in den Block montiert.

Nachdem auch die Nockenwelle in ihre Lagerschalen eingeführt wurde, kann ein neuer Steuerkettensatz montiert werden. In die beiden Aluminiumdeckel des Motors werden die entsprechenden Dichtringe eingepresst, und die Deckel anschliessend montiert.

Die überholte Schwungscheibe wird aus dem Depot geholt, und auf der hinteren Seite der Kurbelwelle montiert. Nun folgen der Stössel für die Benzinpumpe und die Benzinpumpe selbst.

Die die sauber gereinigten Komponenten der Ölpumpe werden zusammengebaut, und die gesamte Pumpe auf den Motorblock montiert. Eine letzte ausgiebige Funktionsprobe, danach ist der Motorblock eigentlich fertig zum Aufsetzen der Ölwanne!

Vor dem Aufsetzten der Ölwanne wird die überholte Riemenscheibe aus dem Depot geholt und auf der vorderen Seite der Kurbelwelle montiert. Die Mutter wird mit dem vorgeschriebenem Drehmoment angezogen und mit dem Sicherungsblech gesichert. Anschliessend werden die Teile des Ölüberdruckventils gereinigt, mit frischen Dichtungen versehen, zusammengebaut und ebenso auf den Motorblock montiert wie ein neuer Öldruckschalter.

Nun werden die neuen Dichtungen mit Kontaktkleber auf der Ölwanne fixiert, danach noch rasch ein letzter kontrollierender Blick auf den Kurbeltrieb, dann wird die Ölwanne aufgesetzt und verschraubt.
Nun kann der Motor eigentlich umgedreht werden. Damit der Motor während der Montagearbeiten nicht die ganze Zeit auf der Ölwanne aufliegt, muss nun ein Hilfsrahmen gebaut werden, in dem der Motor aufgehängt werden kann.

Intermezzo - Aufbau eines Traggestells für den Motor
 
Bisher konnten ja alle Arbeiten bequem auf dem "kopfüber" liegenden Motorblock ausgeführt werden. Da es nun an der Zeit ist, den Zylinderkopf aufzusetzten, und der Motor ja nicht die ganze verbleibende Zeit bis zum Einbau in die Karosserie auf der Ölwanne aufliegen soll, habe ich ein Traggestell gebaut:
Als Basis diente ein im Fundus vorhandenes Motortrageblech eines 600 D. Der Teil mit der Aufnahme für das hintere Motorwiderlager wurde mit der Flex sauber aus dem Teil herausgetrennt, anschliessend wurden aus Formrohr, Flacheisen und eben diesem Fragement Tragestützen geschweisst.

Die fertigen Stützen wurden auf den Block montiert und das ganze kurzerhand umgedreht. Somit steht der Motor in korrekter Lage, und die Arbeit kann weitergehen.
Für einen eventuellen Nachbau habe ich im Downloadbereich eine Skizze der Traggestellteile eingestellt. Für diese Version braucht man auch kein original Tragblech schlachten!

Step 07 - Montage des Zylinderkopfes auf den Motorblock
 
Nachdem der Motor nun in korrekter Lage in seinem Tragegestell hängt, kann der Zylinderkopf unter Verwendung einer neuen Kopfdichtung aufgesetzt werden. Die Zylinderkopfschrauben werden in der vorgegebenen Reihenfolge in 3 Durchgä:ngen mit den vorgeschriebenen Drehmomenten angezogen, anschliessend werden die Stösselstangen eingesetzt und die Kipphebelwelle montiert. Auch hier: Anziehen der Muttern mit dem vorgeschriebenem Drehmoment.

Jetzt kann auch schon das überarbeitete Ölfiltergehäuse auf den Motorblock montiert werden, ebenso der Lagerbock für die Lichtmaschine, der nach einer Aufarbeitung mit Glasperlstrahlen und Lack wieder wie neu aussieht. Zum Abschluss wird noch als Schutz für den Ventiltrieb der aufgearbeitete Ventildeckel aufgesetzt, ebenso der Vergaserstutzen und der Wasserstutzen, beide auch in überholtem Zustand.

Step 08 - Montage des Hilfsaggregate
 
Nunmehr können die Hilfsaggregate montiert werden: Als erstes wird die überholte Lichtmaschine, und danach die neue Wasserpumpe an den Motorblock montiert. Anschliessend wird die Wasserpumpe mit dem überholten Ventillator und einem neuen Gebläsegehäuse versehen.

Jetzt kann auch die überarbeitete Benzinpumpe auf den Motorblock montiert werden, ebenso der generalüberholte Verteiler.

Step 09 - Komplettierung des Motors
 
Auf die Schwungscheibe wird ein neuer Kupplungssatz montiert - um das spätere Aufsetzten des Getriebes zu erleichtern, ist die Verwendung eines speziell angefertigten Zentrierdornes absolute Pflicht! Danach erfolgt die Montage eines neuen Vergasers (ja, ja - manchmal kann man solche "Schätze" tatsächlich noch finden ...).

Bei der Montage des Auspuffkrümmers gibt es plötzlich Probleme: Bei einem der Stehbolzen ist das Gewinde im Zylinderkopf scheinbar angeschlagen, sodass er sich beim Anziehen der Krümmermuttern langsam aber aber sicher aus dem Zylinderkopf verabschiedet! Also: Runter mit dem Krümmer, raus mit dem Stehbolzen, das defekte Gewindeloch ausgebohrt, angesenkt, einen Reparatureinsatz montiert, und schon kann der Stehbolzen wieder eingeschraubt werden, auch das Festziehen der Krümmermuttern lässt sich danach problemlos bewerkstelligen! So, jetzt ist der Motor soweit fertig, dass er mit dem Getriebe zusammengeflanscht werden kann!

Step 10 - Zusammenbau von Motor und Getriebe
 
Zunächst wird der Motor mit dem Werkstattkran vom Montagetisch auf eine grössere Werkbank transferiert, wo schon das Getriebe auf das Zusammenflanschen mit dem Motor wartet. Anschliessend wird der Motor kupplungsseitig nochmals hochgehoben, und das Traggestell entfernt, um die Gewindebohrungen für die Befestigungsschrauben der Kupplungsglocke frei zu bekommen. Das Getriebe wird nun untergebockt, so dass Getriebewelle und Kurbelwelle auf einer Höhenachse liegen. Danach wird der Zentrierdorn der Kupplung entfernt, und das Getriebe kann ohne Probleme an den Motorblock angedockt werden!

Nun noch rasch die Befestigungsschrauben eingesetzt und angezogen, und die komplette Antriebseinheit aus Motor und Getriebe ist für die Wiedermontage in die Karosserie bereit!!
 
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