Step 1 - Überholung des Fahrwerks

Ein verregneter Samstagnachmittag, zu Hause ist Grosswaschtag angesagt und der Nachwuchs weilt bei den Grosseltern. Also der ideale Zeitpunkt um die Arbeit am 600er zu starten! Als erstes wird der Wagen auf die bewährten Unterstellböcke aufgebockt, dann kommen als erstes die Räder runter. Ohjee! das rechte Vorderrad wackelt ja gewaltig - als Ursache wird ein gewaltiges Spiel in den Radlagern festgestellt. Aus den im Fahrzeug vorgefundenen Unterlagen lässt sich ermitteln, dass die bereits an anderer Stelle erwähnte "Spezialwerkstätte" vor einiger Zeit mal neue Radlager eingebaut hat ... na ja, offenbar ist man dort nur das Lagerspiel an Stallschiebtüren gewohnt .... Auch die Bremsen bieten ein Bild des Jammers: Rost, überreichliches Spiel, usw. Also: Raus mit dem Mist!
Als nächstes kommen die Hinterräder dran. Auch hier strotzen die Bremsen nur so vor Rost. Wie zu erwarten sind auch die Achsmanschetten defekt, und die Ruckdämpfer sollten auch erneuert werden- Gut das war ohnehin geplant. Beim Ablassen des Getriebeöls verbreitet sich der intensive Geruch eines hochbelastbaren Hypoidöls für LKW oder Traktorachsen. Na ja, es darf geraten werden, welcher "Fachbetrieb" die Befüllung des Getriebes durchgeführt hat ....
Wenigsten zeigen die Radhäuser ein gute Substanz, ich werde aber auf alle Fälle hier den alten Unterbodenschutz entfernen, und die Radhäuser neu grundieren und lackieren!
Als nächstes kommt die Vorderradaufhängung dran: Zum Glück lassen sich alle Schrauben und Muttern ohne Probleme lösen, und so dauert es nicht lange, bis Bremsankerplatten, Achsschenkel und Querlenker ausgebaut sind. Wie erwartet, sind natürlich fast alle Silentbüchsen hinüber, und müssen erneuert werden, aber das sind nicht wirklich grosse Herausforderungen! Die Lenkung kommt als nächstes dran: Hier ist alles mit einer zentimeterdicken Fettschicht bedeckt, das hat aber dafür den Vorteil, das zumindest nichts angerostet ist! So, jetzt rasch die vordere Blattfeder vorgespannt, und nach Lösen der Muttern kann die ganze Einheit abgebaut werden.
An der linken Hinterachse machen die Befestigungsschrauben Probleme, die die Bremsankerplatte und den Lagerflansch fixieren: Die Schrauben drehen sich in den Fixierblechen mit!
Nach einiger Anstrengung geht das ganz aber dann trotzdem auf, und die hinteren Bremsankerplatten, die Nabenwellen und die Lagerflansche gesellen sich zu dem bunten Haufen an teilen, die sich bereits auf dem Werktisch angesammelt haben.
Den Muttern der Befestigungsschrauben der hinteren Längslenker wird mit dem Druckluftschrauber zu Leibe gerückt, und nach Enfernen der Schrauben werden auch die Längslenker zur Aufbereitung abgestellt!
Jetzt noch schnell raus mit dem Hauptbremszylinder, der als Ursache für das Bremsversagen bei der Probefahrt vermutet wird. Aus Interesse wir das ausgebaute Teil auch gleich mal zerlegt, um einen Blick in das Innenleben werfen zu können: Hmmmm, sieht eigentlich ganz unauffällig aus ... na ja egal, die ganze Bremsanlage wird trotzdem erneuert!
So, in allen Radhäuser herrscht gähnende Leere. Also, her mit Heissluftpistole und Spachtel, und dem alten Unterbodenschutz zu Leibe gerückt. Da es sich noch um guten altbewährten Belag auf Bitumenbasis handelt, lässt er sich nach dem Erwärmen relativ leicht abspachteln. Beim Reinigen des rechten vorderen Radhauses kommen mir plötzlich Zweifel, ob dem direkt hinter den erhitzen Blech positionierten und vollgefüllten Benzintank diese starke Hitze behagt? Also, rasch mal Benzinleitung und Kabel für die Benzinuhr abgeklemmt, und raus mit dem Tank - Sicher ist Sicher!
Ich muss es wieder einmal feststellen: Es gibt wohl beim Restaurieren nichts Vergleichbares mit dem "Vergnügen" unter dem Auto zu liegen, und mit Heissluftpistole und Spachtel ausgerüstet jahrzehnte alten Unterbodenschutz zu entfernen ... Besonders "schön" wird es ja bekanntlich dann, wenn sich die heisse, teigige Bitumenmasse Arme, Gesicht oder sonstige Körperpartien als Landfläche aussucht!
Das Resultat der Arbeit ist erfreulich: Das Blech unter der Bitumenschicht sieht absolut gut aus - von einer kompletten Entfernung der Bitumenschicht am ganzen Unterboden nehme ich daher momentan einmal Abstand, und belasse es bei den Radhäusern, die nun auf eine saubere Grundierung und Lackierung warten!
Nach dem sauberen Auswaschen und Entfetten der Radhäuser kommt zunächst eine Schicht guter Rostschutzgrund rauf. Ich vertraue hier auf das altbewährte "Corroless": Haftet gut, und bietet auch einen guten Grundbelag für folgende Lackierungen. Auch verträgt sich dieser Lack mit allen Untergründen und lässt sich auch mit allen Lackarten gut überstreichen.
Nach einer angemessenen Trockenphase kommt dann der Decklack rauf. Ich nehme hier Kunstharzlack, der mit dem Pinsel aufgetragen wird. Für solche Bereiche reicht die Qualität einer solchen Lackierung meiner Meinung nach vollkommen!
Ein finaler Blick in die behandelten Radhäuser zeigt jetzt ein sauberes Ergebnis. Der nächste Schritt ist jetzt dann der Ausbau und die Erneuerung der Bremsleitungen.
So, jetzt kommen einmal alle ausgebauten Teile des Fahrwerks unter die Lupe: Teilweise offenbart sich hier Schlimmes, Zentimeterdicke Schlamm- und Dreckkrusten, an denen sowohl der Dampfstrahler als auch die Sandstrahlanlage scheitern. Also: Zunächst die Dreckkruste mit Hammer und Meissel abstemmen, dann dampfstrahlen, und danach zum Sand- bzw. Glasperlstrahlen. Nach einer ensprechenden Grundierung und Lackierung sehen die Komponenten dann schon wieder weit besser aus!
Die Stossdämpfer verdienen den Namen nicht mehr: Sie sind in einer 2 cm dicken Schlammkruste regelrecht festgebacken. Ist aber auf den ersten Moment nicht weiter schlimm, ich möchte sowieso neue Dämpfer einbauen. Dass sich dieser Vorsatz dann schwerer als gedacht verwirklichen lässt, merke ich dann, als ich beim Ersatzteilhändler meines Vertrauens wegen neuer Dämpfer vorstellig werde .... nicht mehr lieferbar! Na toll! Ich bekomme zwar bei einem andern Online Anbieter neue Dämpfer, aber die sehen nicht wirklich vertrauenswürdig aus. Aber gut, letztendlich kann dan bei einem Internet-Ersatzteildienst das gewünschte Produkt doch noch aufgetrieben werden!
Da die Lieferzeit auf die Markenstossdämpfer einige Wochen dauert, nutze ich die Zeit, um Bremsen und Radlager zu überholen, bzw. mit neuen Teilen aufzubauen. Ebenso werden alle Gummiteile an Vorder- und Hinterradaufhängung getauscht, und sämtliche Verschleissteile der Lenkung erneuert.
Die Pedalerie wollte ich eigentlich belassen, doch bei der geplanten Montage des neuer Hauptbremszylinders liessen sich die Pedale und Hebel nicht mehr bewegen. Also raus mit dem ganzen Teil und nachgesehen. Ojeh: Hier wütet der Rost! Das sich da nichts mehr bewegt wundert mich nicht. Fazit: Pedalerie komplett zerlegen und aufarbeiten. Siehe da: Jetzt funktioniert alles wieder prima!
Als dann alle erforderlichen Komponenten im Regal bereitliegen, beginnt der Neuaufbau des Fahrwerks. Aufgrund der gesammelten Erfahrungen beim letzten Projekt geht das ganze relativ problemlos vonstatten, natürlich gibte es auch hier die eine oder andere "Überraschung", aber nach ein paar Samstagnachmittagen sind alle Teile wieder verbaut!
Jetzt muss ich bloss noch die Bremshydraulik füllen und entlüften, die Bremsen einstellen, und dann kriegt unsere "Susi" noch neue Reifen auf die frisch lackierten Felgen spendiert! Damit wäre das Kapitel "Fahrwerk" erstmals abgeschlossen, jetzt gehr es ans Interieur!

Ungeplantes Intermezzo - Ein neues Heckblech muss her ...

Dass beim Heckblech gemurkst wurde, dass hat sich ja schon bei der ersten genaueren Inspektion herausgestellt. Dass der Pfusch hier aber so gravierend war, damit hatte ich nicht gerechnet. Es war ja geplant, die überlackierten Rostnester an der Heckblende freizulegen, gegebenenfalls das Teil wo erforderlich auszuspenglern, und dann neu zu lackieren. Die Überraschung kam beim Freilegen der Rostnester. Hier wurde nicht nur schlampig lackiert, nein, das ganze Heckblech stellte sich als komplett verrottet heraus. Der Vorbesitzer hatte scheinbar, als er des Wagen vor einigen Jahre neu lackieren liess, den Auftrag gegeben, das komplett verrostete Teil mit einer dicken Schicht Karosseriespachtel zuzukleistern, und dann drauf mit den neuen Lack. Ein eindeutiger Beweis für die Liebe zu diesem historischen Fahrzeug!
So, was tun? Guter Rat war teuer. Prinzipiell wäre esja möglich das desolate Teil durch einen begnadeten Spengler wieder neu aufbauen zu lassen. Problem dabei: Diese Kosten würden wohl jeden Rahmen sprengen .... Neuteil? Wird es ja wohl kaum mehr geben, oder? Na ja, einen Versuch ist es wert: Und siehe da, bereits nach 5 Minuten Internetrecherche findet sich ein Neuteil um gerade mal 85,- Euro! Sofort bestellen, nach einer Woche ist das Teil da. Ab zum Lackierer damit. Nach noche einer Woche kann es dann frisch lackiert abgeholt und montiert werden. So, aber jetzt gehts dann wirklich ans Interieur!

Step 2 - Das Interieur

Dass die originale Innenausstattung in einem katastrophelen Zustand ist, hat sich ja schon bei der ersten Inspektion gezeigt. Grundsätzlich kein Problem: Man bekommt neue Sitzpolster für die vorderen Sitze, neue Sitzüberzüge für vorne und hinten, neue Seitenverkleidungen, ja sogar fertig zugeschnittene Kunstlederstücke für das Überziehen der hintern Innenkotflügel. Ebenso sind Gummiteppiche und der Teppich unter dem Heckfenster bei einem bekannten italienischen Lieferanten in Top-Qualität zu guten Preisen zu kriegen. Das Tapezierermaterial für die hintere Sitzbank hat der lokale Autosattler wohlfeil. Also, wie gesagt: Neue Innenausstattung ist prinzipiell kein Problem!
Die böse Überraschung kam bei der Demontage der hinteren Sitzbank und des Teppichs unter dem Heckfenster: Alles voll eingetrocknetem Schlamm! Der Belag verströmt einen dezenten Geruch nach Fischmarkt. Was ist hier passiert? Leider hatte der Vorbesitzer den Wagen eine Zeitlang in einem Garten neben einem Fluss abgestellt. Und da passierte das Schlimmste, was man sich als Oldtimerfreund wohl vorstellen kann: Ein Hochwasser setzte den kleinen Italiener vollkommen unter Wasser! Der von mir ja bereits mehrfach zitierte "Oldtimerspezialist" machte sich damals erbötig, den Wagen wieder instandzusetzen. Leider war es wohl zu viel verlangt, die Sitzbank rauszunehmen, und auch hier den Flussschlamm zu entfernen!
Dieser Schlamm steckte sogar als kompakte Masse IN der hinteren Sitzbank, wo er dann in aller Ruhe dafür sorgen konnte, den Schaumgummi der Sitzbank aufzulösen. Na ja, alleine beim Ausbau und beim Zerlegen der Sitze musste ich 2 Müllsäcke voll getrocknetem Schlamm entsorgen! Klarer Fall von zweimal "Nichtgenügend - Setzen!": Einmal für den "Oldtimerspezialisten" für diesen massiven Pfusch (der ja nicht gratis war, sehr wohl aber teilweise umsonst!) und ein zweites Mal für den Vorbesitzer für die mangelnde Kontrolle der geleisteten Arbeit. Nochmals: Ein eindeutiger Beweis für die Liebe zum historischen Fahrzeug!
Überraschenderweise stellten sich die Rahmen der Vordersitze nach dem Abnehmen der Tapezierung als weniger stark verrostet heraus, als befürchtet. Lediglich ein par Müllsäcke voll alten Polstermaterialien, zerfetzten Sitzbezügen und Dreck warten jetzt auf ihre Entsorgung, und geben noch ein letztes Zeugnis von dem katastrophalen Zustand der originalen Innenausstattung!
Nach gründlicher Reinigung, Entrostung und Entfettung, konnten die beiden Vordersitzrahmen mit schwarzem Lack neu lackiert werden, und machen bereits ein ganz sauberen Eindruck! Nachdem die neuen Sitzpolster angebracht wurden, sieht das Ganze nun schon einigermassen gut aus!
So, das Paket mit den neuen Bezügen, neuen Gummiteppichen und den neuen Innenverkleidungen ist da! Rasch noch zum örtlichen Fahrzeugsattler und etwas Polstermaterial besorgt, und dann frisch ans Werk! Aufgrund der Erfahrungen von letzten Projekt, geht das Polstern und Tapezieren der Sitzbank und der Vordersitze eigentlich recht flott und ohne gröbere Probleme vonstatten. Als erstes kommen dann der neue Teppich für die Rückwand und die neu bezogene Abdeckung hinter der Rücksitzbank ins Auto. Danach werden die hinteren Seitenverkleidungen und die neu bezogene Rücksitzbank eingebaut.
Als nächstes Grundreinigung des Gummiteppiches, der ja soweit noch gut ist, und im Fahrzeug verbleibt. Dann werden die Türverkleidungen montiert, und abschliessend die beiden überarbeiteten Vordersitze angebracht.
Na ja, jetzt sieht der Kleine innen ja wieder ganz flott aus. Besonders wenn man sich an den Zustand beim Eintreffen des Fahrzeuges erinnert ......
Jetzt steht noch eine kurze Revision im Motorraum an, und ein paar kleinere "Kosmetikarbeiten" aussen!

 
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